Reizdarm
Krankheitsbild Reizdarm
Das Reizdarm-Syndrom (RDS) ist eine funktionelle Magen-Darm-Erkrankung ohne erkennbare organische Ursachen. In den westlichen Industrieländern sind 10-15 % der Bevölkerung betroffen, Frauen etwas häufiger als Männer (Wächtershäuser u. Stein 2008). Obwohl die Krankheit die Lebensqualität massiv beeinträchtigen kann, gehen nur etwa 20 % der Betroffenen zum Arzt. Die Symptome sind vielfältig (Hotz et al. 1999):
- Meteorismus / Flatulenz
- abdominelle Schmerzen
- Obstipation und / oder Diarrhö
- mühsame Darmpassage, erhöhter Stuhldrang
- Gefühl der inkompletten Darmentleerung
- Schleimabgang.
Man unterscheidet zwischen diarrhö-, obstipations- oder schmerzprädominanten Subtypen (Wächtershäuser u. Stein 2008).
Nach den aktuellen Rom-III-Kriterien liegt ein RDS vor, wenn Schmerzen oder Unwohlsein an mindestens drei Tagen im Monat wiederkehrend auftreten. Mindestens zwei der drei folgenden Kriterien müssen dabei erfüllt sein:
- Schmerzen und Unwohlsein verbessern sich nach Defäkation
- die Beschwerden gehen mit einer veränderten Stuhlfrequenz bzw.
- mit einer veränderten Stuhlkonsistenz einher.
Die Symptome müssen in den letzten drei Monaten aufgetreten sein und mindestens vor einem halben Jahr begonnen haben. Rom III definiert Subtypen anhand der Stuhlbeschaffenheit, die sehr gut mit der Colontransitzeit korreliert (s. Tabelle):
Relevante Subtypen und deren Häufigkeiten (nach Rome-Foundation o. J.)
| Subtyp / Häufigkeit | Kriterien |
|---|---|
| Obstipations-Typ 17 % |
|
| Diarrhö-Typ 32 % |
|
| gemischter Typ 46 % |
|
Ursachen
Das Symptombild ist nicht unbedingt konsistent. Viele Patienten wechseln zwischen definierten Subtypen. Rom III bezieht den gemischten Typ auf einen Wechsel der Stuhlformen innerhalb von Stunden oder Tagen und bezeichnet Patienten mit einem unterschiedlichen Subtypus innerhalb von Wochen oder Monaten als alternierend (Longstreth et al. 2006; Rome Foundation 2006).
Die dem RDS zugrunde liegenden Pathomechanismen sind nur unvollständig geklärt. Es handelt sich offenbar um eine komplexe Interaktion physiologischer, psychologischer und sozialer Faktoren (Wächtershäuser u. Stein 2008). Als gesichert gilt das Vorliegen einer viszeralen Hyperalgesie (Hotz et al. 1999). Eine vorangegangene bakterielle Darminfektion scheint zumindest bei einem Teil der Betroffenen (15-30 %) von kausaler Bedeutung zu sein (Camilleri 2006, Spiller und Campbell 2006). So ist das Risiko, ein RDS zu entwickeln, nach einer infektiösen Gastroenteritis 5-10fach erhöht (Halvorson et al. 2006, Spiller u. Campbell 2006). Vermutlich persistiert eine leichte Entzündung, die zu Störungen der mucosalen Funktion und Struktur führt (Camilleri 2006). So finden sich bei Patienten mit RDS neben Veränderungen in der Darmflora auch erhöhte Konzentrationen von Serotonin-bildenden Zellen sowie von Mastzellen und Entzündungsmediatoren in der Mucosa (Spiller u. Campell 2006).

(nach Wächtershäuser und Stein 2008)




